6. Zyklusphase und Sex.
Von der Arbeitsgruppe um Wilcox kann man immer gute Resultate, die intelligent mit einfachen Mitteln erzielt wurden, erwarten. Bekanntlich ist im Tierreich die Kopulationsfrequenz eng mit der fruchtbaren Phase des weiblichen Tieres verbunden. Rhesusäffinnen drängen Männchen geradezu zur Kopulation, wenn der Eisprung naht. Danach wollen sie nicht nur nichts mehr von den Männchen wissen, sondern verbeißen sie sogar. Ein solches Verhalten wäre in der menschlichen Gesellschaft unter den Bedingungen der Monogamie sozial nicht kompatibel. Die Frage aber, ob es auch beim Menschen eine von der Zyklusphase abhängige Änderung der Kohabitationsfrequenz gibt, ist schon häufig untersucht worden. Diverse Faktoren spielen jedoch bei solchen Untersuchungen eine große Rolle, die die Ergebnisse verfälschen können. Erwähnt sei hier nur die Angst vor einer Empfängnis oder auch der Wunsch nach einer Konzeption. Um der Frage nachzugehen, ob es rein biologische Einflussfaktoren hinsichtlich der Kohabitationsfrequenz im normalen Zyklus der Frau gibt, muss daher das Studiendesign richtig gewählt werden. Bei den untersuchten Frauen handelte es sich um solche, die zwar einen normalen Zyklus, aber z.B. infolge Tubensterilisation keine Furcht vor einer Konzeption hatten. Die Frauen sammelten Urinproben für die retrospektive Analyse der Zyklusdaten und notierten die Zeiten der Kohabitationen. Diese Daten wurden mit einander in Beziehung gesetzt und es zeigte sich, dass in den sechs Tagen vor dem Eisprung am häufigsten Kohabitationen stattfinden. In einer früheren Untersuchung hatten die Autoren zeigen können, dass dies die Tage im Zyklus sind, an denen eine realistische Konzeptionswahrscheinlichkeit besteht.
Ferticonsult: Das biologische Signal ist wahrscheinlich das ansteigende Östradiol aus dem heranwachsenden Follikel. Oder eventuell auch die ansteigenden ovariellen Androgene (Libido)?
Literatur
Wilcox AJ, Baird DD, Dunson DB, McConnaughey DR, Kesner JS, Weinberg CR. On the frequency of intercourse around ovulation: evidence for biological influences. Hum Reprod. 2004 Jul;19(7):1539-43. Epub 2004 Jun 09.