4. Syndrom der polycystischen Ovarien
In FERTILITY AND STERILITY und HUMAN REPRODUCTION erschienen mehrere Übersichtsarbeiten zu diesem Thema. Das PCOS ist ein echtes Syndrom mit einer heterogenen Sammlung verschiedener Hinweise und Symptome. Daher ersetzt der Begriff PCOS die ältere Bezeichnung PCOD. In der Tat umfaßt das Spektrum der Erkrankung milde Formen und solche mit massiver Störung endokrinologischer, reproduktiver und metabolischer Funktionen. Nach der US-Konsensuskonferenz von 1990 besteht ein PCOS, wenn eine Hyperandrogenämie zusammen mit Zyklusstörungen (Oligomenorrhoe; Amenorrhoe) vorliegt bei gleichzeitigem Ausschluß einer adrenal- und tumorbedingter Androgenerhöhung. Nach diesen Kriterien weisen etwa 4 – 8% der Normalbevölkerung eine PCOS auf. In Europa wird der Ovarialsonographie ein großer Wert in der Diagnose des PCOS beigemessen. Polycystische Ovarien werden in circa 25% aller Frauen im reproduktionsfähigen Alter gefunden, wovon allerdings ein großer Prozentsatz keine PCOS-Pathologie aufweist.
Das PCOS tritt gehäuft familiär auf, allerdings ist die Art der Vererbung noch nicht geklärt. Studien weisen auf eine autosomal dominante Vererbung hin, die möglicherweise durch externe Faktoren modifiziert wird. Untersuchungen an Zellen von PCOS-Patientinnen (Thekazellen, Muskelzellen und Adipozyten) dokumentieren einen typischen biochemischen und molekularen Phänotyp, der in den entsprechenden Zellen gesunder Frauen nicht gefunden wird. Studien lassen vermuten, dass die Entwicklung eines PCOS genetisch verankert ist, indem entweder ein einzelnes Gen oder aber mehrere Gene verantwortlich sind. Eine eindeutige Identifizierung ist bis heute nicht gelungen. Eine Region in der Nähe des Insulinrezeptorgens gilt als aussichtsreich für eingehendere Untersuchungen.
Die Insulinresistenz steht im Zentrum der metabolischen Störung. Die daraus sich entwickelnden Folgeerkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2 und Atherosklerose wiesen darauf hin, daß die Bedeutung des PCOS weit über die kosmetischen und reproduktionsbiologischen Aspekte der Störung hinausgeht. Die Identifizierung der Insulinresistenz in der Pathophysiologie des PCOS hat zum Einsatz von ‚Insulin sensitizern’ geführt. In diesem Zusammenhang liegen über METFORMIN die größten Erfahrungen vor. Seine akute Gabe führt über eine Reduzierung der Insulinresistenz zu einer Verbesserung der Ovarialfunktion. Die langfristige Gabe kann die Entwicklung der o. g. Folgeerkrankungen verhindern oder verzögern.
Literatur
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