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18.03.2002
 
Newsletter Nr.14
 
  1. Kindliche Mißbildungen nach IVF und ICSI
  2. Behandlung chronischer Schmerzen nach operierter Endometriose: Vergleich von Gestagen und kontinuierlicher Einnahme eines oralen Kontrazeptivums
  3. Metformin und PCOS
  4. Down-Syndrom und reduzierte ovarielle Reserve

1. Kindliche Mißbildungen nach IVF und ICSI
In der Ausgabe vom 7. März des New England Journal of Medicine erschien eine Arbeit aus Westaustralien (Perth), in der die Mißbildungsrate bei 301 Kindern nach IVF/ICSI und 873 Kindern nach IVF mit derjenigen bei 4000 Kindern nach Spontankonzeption verglichen wurde. Mit 8,6% und 9,0% respektive lag sie bei den Kindern nach künstlicher Befruchtung doppelt so hoch wie nach spontaner Konzeption (4,2%). Die höhere Mißbildungsrate blieb auch nach Korrektur für das in der Regel höhere Alter von IVF/IVF-ICSI-Paaren bestehen. Die angeborenen Fehlbildungen betrafen im wesentlichen das kardiovaskuläre System (z.B. Septum Defekte), das Urogenitalsystem und muskuloskelettale Defekte.
Die Brüsseler Arbeitsgruppe berichtet in der Märzausgabe des Human Reproduction über 2889 Kinder nach ICSI und 2995 Kinder nach IVF. Die Rate erheblicher angeborener Fehlbildungen lag bei 4,2% bzw. 4,6% und unterschied sich nicht von der spontaner Konzeptionen.
Die New Yorker Arbeitsgruppe vom Cornell Medical Center (Dr. Rosenwaks) berichtet über 2059 Kinder nach ICSI. Die Rate erheblicher Mißbildungen lag bei 1,8%. Zwischen IVF und ICSI wurde kein Unterschied gesehen.
Faßt man die Ergebnisse der Brüsseler und New Yorker Studien zusammen, so finden sich bei etwa 8000 Kindern nach künstlicher Befruchtung keine gesteigerten Fehlbildungsraten. Der Grund der gesteigerten Fehlbildungsrate in Höhe von ca 8% bei den 1174 Kindern nach künstlicher Befruchtung in Australien bleibt unklar. Sämtliche Studie machen z.B. keine Aussagen über die Eltern und auch nicht über eine eventuelle (Hormon-) Therapie in den ersten Schwangerschaftswochen nach künstlicher Befruchtung.
Alle diese Studien zeigen allerdings einhellig, daß hinsichtlich der Mißbildungsraten zwischen IVF und ICSI kein Unterschied besteht.
Vor Jahren wurde berichtet, daß der mentale Entwicklungsindex bei Knaben nach ICSI im ersten Lebensjahr geringer sei als der bei Mädchen nach ICSI. Die jetzige Fall-Kontroll-Studie aus England zeigte bei 208 Einzelkindern nach ICSI und 221 spontan konzipierten Einzelkindern keinen Unterschied in der mentalen und körperlichen Gesundheit.

Literatur

Hansen M, Kurinczuk J, Bower C, Webb, S (2002) The risk of major birth defects after intracytoplasmatic sperm injection and in vitro fertilization N. Engl. J.Med. 346: 725-730

Bonduelle M, Liebaers I, Deketelaere V, Derde MP, Camus M, Devroey P, Van Steirteghem A (2002) Neonatal data on a cohort of 2889 infants born after ICI (1991-1999) and of 2995 infants born after IVF (1983-1999). Hum. Reprod. 17: 671-694

Palermo GD, Neri QV, Hariprashad JJ, Davis OK, Veeck LL, Rosenwaks Z (2000) ICSI and its outcome. Semin. Reprod. Med. 18:161-169

Sutcliffe AG, Taylor B, Saunders K, Thornton S, Lieberman BA, Grudzinskas JG (2001) Outcome in the second year of life after in-vitro fertilisation by intracytoplasmic sperm injection: a UK case-control study. Lancet 357:2080-2084

2. Behandlung chronischer Schmerzen nach operierter Endometriose: Vergleich von Dauer-Gestagen-Therapie und kontinuierlicher Einnahme eines oralen Kontrazeptivums
Neben der Sterilität sind chronische Schmerzen, meistens in Form von Dysmenorrhoen, die wesentlichen Klagen von Frauen mit Endometriose. Die Schmerzen können von den Endometrioseherden aber auch von der begleitenden Adenomyose herrühren. Angesichts des generell relativ spät im reproduktiven Alter auftretenden Kinderwunsches ist eine effektive chronische Schmerzbehandlung eine der wesentlichen ärztlichen Aufgaben bei der Betreuung von Patientinnen mit Endometriose.
Die Arbeitsgruppe um Vercellini in Mailand verglich die kontinuierliche orale Applikation von täglich 12.5 mg Cyproteronazetat mit der ununterbrochenen Gabe eines oralen Kontrazeptivums mit 0,02 mg Ethinyl-Estradiol und 0,15 mg Desogestrel. Eine Amenorrhoe trat in zwei Drittel der Patientinnen mit Cyproteronazetat und in 50% der Patientinnen mit dem Kombinationspräparat auf. Irreguläre Blutungen wie z.B. Schmierblutungen wurden von den Patientinnen nicht als größeres Problem angesehen. Bei gelegentlich stärkeren Blutungen war es ein Vorteil des Kombinationspräparates, daß es einfach für eine Woche abgesetzt werden konnte, um dann wieder kontinuierlich eingenommen zu werden. Unter Cyproteronazetat wurden depressive Verstimmungen und eine merklich verringerte Libido mitgeteilt.
Zusammenfassend ergaben beide Therapiemodalitäten bei etwa zwei Drittel der Patientinnen zufriedenstellende Resultate sowohl im Hinblick auf die Schmerzreduzierung bzw. –beseitigung und der Lebensqualität im Allgemeinen. Cyproteronazetat empfiehlt sich als Therapiemodalität bei Kontraindikationen gegen eine Estrogenzufuhr, während bei einer langfristigen Therapie ohne bestehende Kontraindikationen einer kontinuierlichen Zufuhr des Kombinationspräparates der Vorzug zu geben ist.

Literatur

Vercellini P, De Giorgi O, Mosconi P, Stellato G, Vicentini S, Crosignani PG (2002) Cyproterone acetate versus a continuous monophasic oral contraceptive in the treatment of recurrent pelvic pain after conservative surgery for symptomatic endometriosis. Fertil Steril. 77:52-61

3. Metformin bei Clomiphen-refraktärem PCOS
Das polycystische Ovarialsyndrom (PCOS) ist in Abwesenheit anderer endokriner Störungen (z.B. adrenaler Enzymdefekt) durch Hyperandrogenämie und Oligo-Amenorrhoe charakterisiert. Ungefähr 5% aller Frauen im reproduktionsfähigen Alter sind davon betroffen. Das Antiöstrogen Clomiphenzitrat gilt als Therapeutikum erster Wahl, um Ovulationen auszulösen und Schwangerschaften zu erzielen. Das PCOS ist häufig mit einer Hyperinsulinämie und Insulinresistenz assoziiert. Aus diesem Grund werden neuerlich zunehmend sog. ‚Insulin-Sensitizer‘ eingesetzt. Vorliegende Arbeit überprüft den Einsatz von Metformin bei Clomiphen-refraktären Frauen mit PCOS in einer placebo-kontrollierten Doppeltblind-Studie. Gruppe I erhielt über zwei Zyklen Metformin (2 x 850 mg). Im zweiten Zyklus wurde Clomiphen zusätzlich verabreicht (100 mg von Tag 3 –7). Gruppe II erhielt statt Metformin Placebo (2xtäglich). Die Metformingabe resultierte in einer signifikanten Abnahme der Testosteron- und LH-Spiegel, des LH/FSH-Quotienten, der Insulinresistenz und des mittleren "Body-Mass-Index". In der Metfomin-Gruppe resultierte die Clomiphen-Gabe in höheren Ovulationsraten, in einem dickeren Endometrium und einer höheren kumulativen Schwangerschaftsrate. Erstaunlicherweise wurden diese positiven Effekte bereits nach einer kurzfristigen Gabe von Metformin erzielt.

Literatur

Kocak M, Caliskan E, Simsir C, Haberal A. (2002) Metformin therapy improves ovulatory rates, cervical scores, and pregnancy rates in clomiphene citrate-resistant women with polycystic ovary syndrome. Fertil Steril. 77:101-106

4. Down-Syndrom und reduzierte ovarielle Reserve
Das Alter der Eltern ist der wesentliche ätiologische Faktor bei der Bildung von Trisomien beim Menschen. Daten zur Trisomie lassen vermuten, daß die meisten Fälle von Aneuploidie während der Meiose I der Oogenese entstehen und eine Abhängigkeit vom mütterlichen Alter zeigen. Die Trisomie 18 ist insofern einzigartig, als sie in den meisten Fällen von Irrtümern der maternalen Meiose II herrührt. Das überzählige Geschlechtschromosom bei 47, XXY beruht auf einem Fehler der paternalen Meiose I.
Bei Frauen mit der Geburt eines Kindes mit Down-Syndrom in der Anamnese (n=118; mittleres Alter: 33,8 Jahre) fand sich eine signifikante inverse Korrelation zwischen der höchsten basalen FSH- und Inhibin B-Konzentration im Blut im Vergleich zu Kontrollen ohne diese Vorgeschichte (n=102; mittleres Alter: 34,2 Jahre). Diese Daten unterstützen die Vorstellung, daß eine reduzierte ovarielle Reserve kausal mit der Geburt eines Kindes mit Down-Syndrom im Zusammenhang stehen könnte. Es besteht eine große Überlappung der FSH und Inhibin B-Spiegel im Blut von betroffenen und Kontrollfrauen, so daß basale FSH-Spiegel nicht als spezifische Marker vorzeitiger ovarieller Alterung im Hinblick auf das Down-Syndrom-Risiko gelten können. Die intrafollikulären Mechanismen (Granulosa-Zell/Oozyten-Interaktion) bezüglich der Entstehung eines Meiose-Fehlers sind bisher nicht geklärt.

Literatur

Eichenlaub-Ritter U (1996) Parental age-related aneuploidy in human germ cells and offspring: a story of past and present. Environ Mol Mutagen. 28:211-236. Review.

Van Montfrans JM, van Hooff MH, Martens F, Lambalk CB. (2002) Basal FSH, estradiol and inhibin B concentrations in women with a previous Down's syndrome affected pregnancy. Hum Reprod. 17:44-47.

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Gerhard Leyendecker