1.Behandlung von Myomen durch Embolisation der Uterinarterien (UAE)
Nach der Erstbeschreibung der Behandlung symptomatischer Myome der Gebärmutter durch beidseitige Embolisierung der Gebärmutterarterien (Uterinarterien (UAE)) durch Ravina (1995) hat sich diese Methode als radiologische Interventionsbehandlung vor allem in den USA weit verbreitet. Mittlerweile liegen Berichte über größere Behandlungsserien vor. Insgesamt sind weltweit sicherlich mehr als 10.000 Behandlungen durchgeführt und über mehr als 5000 in der Literatur berichtet worden. Es handelt sich um eine angiographische Methode, bei der über die Oberschenkelarterie entweder von einer oder beiden Seiten aus ein Katheter in die Arteria iliaca interna bis zum Abgang der Gebärmutterarterien vorgeschoben und durch langsames Einspülen von Polyvinylalkohol (PVA) eine Embolisierung der Gebärmutterarterien beidseits erreicht wird. Da Myome eine verstärkte Durchblutung aufweisen, fließen die Partikel primär in deren Gefäße. Die UAE wird beendet, wenn angiographisch kein Blutfluß in den Gebärmutterarterien mehr nachgewiesen werden kann. Die Durchblutung der übrigen Gebärmutter bleibt zunächst auf einem niedrigen Niveau erhalten und normalisiert sich sicherlich später wieder, da Verbindungen zu den Ovarialarterien bestehen und für eine ausreichende Durchblutung der Gebärmutter sorgen, so daß auch ungestörte Schwangerschaften möglich sind. Gegenwärtig wird empfohlen, die Methode bei bestehenden Beschwerden durch Myome (Metrorrhagie (verlängerte Blutungen); Druck auf Darm und Blase) als Alternative zur Myomentfernung oder Gebärmutterentfernung einzusetzen. Wenn auch intakte Schwangerschaften nach UAE beobachtet wurden, so wird jedoch gegenwärtig noch von der UAE bei Sterilitätspatientinnen und solchen mit noch vorhandenem Kinderwunsch abgeraten, da nicht vorhergesehen werden kann, ob eine Gebärmutterentfernung nach der Behandlung notwendig werden könnte. Jedenfalls ist gegenwärtig die Rate der Gebärmutterentfernungen nach UAE höher als nach Myomentfernung. Es handelt sich um eine ambulante bzw. kurzstationäre Behandlungsmethode. Die Versager- und Komplikationsrate ist insgesamt gering. Schmerzen durch Durchblutungsstörungen, Übelkeit, Erbrechen und allgemeines Krankheitsgefühl können im Rahmen eines sog. Postembolisationssyndroms auftreten und bis zu einer Woche anhalten. Die Phase bis zur kompletten Erholung kann bis zu zwei Wochen dauern. Sepsis ist eine seltene, aber gefürchtete Komplikation, die zur Gebärmutterentfernung zwingt. Einige wenige Todesfälle sind beschrieben worden. In einigen Fällen, zumeist bei perimenopausalen Frauen, kam es zur vorübergehenden oder dauerhaften hypergonadotropen Ovarialinsuffizienz. Zu den Nachteilen der Methode gehört auch das mögliche Übersehen eines Leiomyosarkoms. Insgesamt ist jedoch die Erfolgsrate hoch und die Methode gilt als relativ sicher. Es bedarf jedoch zunehmender Erfahrung, um feste Indikationskriterien der Methode erstellen zu können, bevor sie zu einer Routinemethode der Myombehandlung wird.
Literatur
Spies JB (Internet) Uterine artery embolization procedure
Ravina JH, Herbreteau D, Ciraru-Vigneron N, Bouret JM, Houdart E, Aymard A, Merland JJ (1995) Arterial embolisation to treat uterine myomata. Lancet. Sep 9;346(8976):671-2.
Goodwin SC, Wong GC. (2001) Uterine artery embolization for uterine fibroids: a radiologist's perspective. Clin Obstet Gynecol. 44: 412-24. No abstract available
Braude P, Reidy J, Nott V, Taylor A, Forman R. (2000) Embolization of uterine leiomyomata: current concepts in management. Hum Reprod Update.6: 603-8. Review.
Spies JB, Ascher SA, Roth AR, Kim J, Levy EB, Gomez-Jorge J (2001) Uterine artery embolization for leiomyomata. Obstet Gynecol. 98:29-34
2.Endometriose: Die Implantation ist nicht beeinträchtigt.
Eine herabgesetzte Empfängnisfähigkeit bei Endometriose ist bekannt. Als eine der Ursachen dafür wurde eine herabgesetzte Aufnahmefähigkeit der Gebärmutterschleimhaut (Rezeptivität des Endometriums) für den oder die Embryonen angesehen. Untersuchungen mit gespendeten Eizellen haben jedoch ergeben, daß Frauen mit Endometriose nach Eizellspende eine ebenso hohe Schwangerschaftsrate aufweisen wie Frauen ohne Endometriose. Neuere elektronenmikroskopische Untersuchungen haben nun ergeben, daß die sog. Pinopod-Expression (es handelt sich hierbei um Zellplasmavorwölbungen während der etwa 48-stündigen Einnistungsphase) bei Frauen mit Endometriose gegenüber solchen ohne Endometriose nicht beeinträchtigt ist.
Literatur
Simon C, Gutierrez A, Vidal A, de los Santos MJ, Tarin JJ, Remohi J, Pellicer A. (1994) Outcome of patients with endometriosis in assisted reproduction: results from in-vitro fertilization and oocyte donation. Hum Reprod. 9: 725-729.
Garcia-Velasco JA, Nikas G, Remohi J, Pellicer A, Simon C (2001)Endometrial receptivity in terms of pinopode expression is not impaired in women with endometriosis in artificially prepared cycles. Fertil Steril. 75: 1231-1233.
3. Sorgfältige urologisch-andrologische Untersuchung aller Männer vor ICSI
Reduzierte Samenqualität muß als ein Symptom aufgefaßt werden, welches auf eine ernsthafte Grunderkrankung hinweisen kann. So finden sich bei Männern mit eingeschränkten Spermiogrammparametern häufiger Hodentumore als bei Männern mit Normozoospermie. Die Früherkennung eines Hodenkarzinoms bedeutet jedoch die Chance der kompletten Heilung.
Literatur
Simon SD, Lee RD, Mulhall JP (2001) Should all infertile males undergo urologic evaluation before assisted reproductive technologies? Two cases of testicular cancer presenting with infertility. Fertil Steril. 75:1226-7.
4. Bedeutung der Zeitspanne zwischen Eizellgewinnung und Insemination bzw. Spermieninjektion für die Schwangerschaftsrate
Unter den normalen Arbeitsbedingungen in einem IVF-ICSI-Programm kann die Zeit zwischen der Eizellgewinnung und der Zufügung der Spermien zur Eizellkultur (Insemination) oder der unmittelbaren Spermieninjektion in die Eizelle (ICSI) erheblich variieren. Die unten genannte Arbeitsgruppe hat die diesbezüglichen Daten retrospektiv aufgearbeitet. Die Zeitspanne zwischen Eizellgewinnung und Insemination/Injektion betrug etwa 0,5 – 8 Stunden. Die Analyse der Daten ergab, daß sich hinsichtlich der Präinkubationszeit (Spanne zwischen Eizellgewinnung und Insemination/Injektion) kein signifikanter Unterschied hinsichtlich Fertilisations-, Implantations- und Schwangerschaftsrate ergab.
Literatur
Jacobs M, Stolwijk AM, Wetzels AM (2001) The effect of insemination/injection time on the results of IVF and ICSI. Hum Reprod. 16:1708-1713