3. Embryo-Selektion ohne Embryonen
Bekanntlich entsteht nach Eindringen des Spermiums in die Eizelle zunächst die Zygote oder Eizelle im sog. Vorkernstadium (PN-Stadium), die sich dann weiter zum Embryo entwickelt. Da die Gesetzgebung einiger Länder das Entstehen nur so weniger Embryonen in einem Behandlungszyklus zuläßt, wie transferiert werden sollen (maximal drei), muß bereits im PN-Stadium entschieden werden, welche Zygoten sich weiter entwickeln und welche eventuell kryokonserviert werden sollen. Da nicht alle Zygoten das gleiche Entwicklungspotential zu einem lebensfähigen Embryo haben und diesbezüglich keine Unterscheidungsmerkmale erarbeitet waren, glich die Entscheidung der Auswahl einem Lotteriespiel. In anderen Ländern ohne die o.g. genannten Restriktionen können die Embryonen in ihrer Entwicklung beobachtet und entsprechend ihrer Qualität für den Embryotransfer ausgewählt werden.
Mittlerweile sind jedoch Kriterien für die Auswahl der "guten" Zellen im PN-Stadium entwickelt worden, und ihr Wert wird in fortlaufenden Studien erhärtet. Nun scheint es zu gelingen, die richtigen Embryonen auszuwählen, bevor es welche sind.
Literatur
Wittemer C, Bettahar-Lebugle K, Ohl J, Rongieres C, Nisand I, Gerlinger P (2000) Zygote evaluation: an efficient tool for embryo selection. Hum. Reprod. 15: 2591-2597
4. Männliche Unfruchtbarkeit bei Veränderungen (Deletionen) am Y-Chromosom: Vererbung auf die Söhne und Neuentstehung von Deletionen bei den Söhnen.
Bekanntlicherweise werden Gene vererbt und zwar von Vater und Mutter. Ein Sohn erbt das Y-Chromosom und die darauf lokalisierten Gene nur vom Vater. Bestehen auf diesem Chromosom Defekte (Deletionen), die zur Unfruchtbarkeit führen, so werden diese bei einer erfolgreichen ICSI-Behandlung weitergegeben. Es gibt aber auch männliche Unfruchtbarkeit, die nicht auf Deletionen auf dem Y-Chromosom beruhen. Nach erfolgreicher ICSI-Behandlung fand man bei diesen Söhnen keine Deletionen. Fazit: Wenn Deletionen nach ICSI-Behandlung bei den Söhnen beobachtet werden, dann beruhen diese in der Regel auf Vererbung. Spontanauftreten von Deletionen bei Söhnen ist, obwohl beschrieben, offenbar sehr selten. Die Rate von Deletionen auf dem Y-Chromosom betrug bei Azoo- und schwerer Oligozoospermie 6,9% ( 2 von 29 Männern).
Literatur
Cram DS et al (2000) Y chromosome analysis of infertile men and their sons conceived through intracytoplasmatic sperm injection: vertical transmission of deletions and rarity of de novo deletions. Fertil Steril 74: 909-915