4. Ergebnisse der Assistierten Reproduktion in Italien vor und nach der Einführung der extrem restriktiven Gesetzgebung
Das Gesetz zur Assistierten Reproduktion in Italien von 2004 ist noch restriktiver als das deutsche Embryonenschutzgesetz. Es dürfen maximal drei Oozyten inseminiert werden. Eine Kryokonservierung von Embryonen und (erstaunlicherweise) von Eizellen im Vorkernstadium (PN-Stadium) ist nicht erlaubt. Eine frühere Multizenterstudie von Ragni et al. mit relativ kurzen Beobachtungsintervallen vor und nach der legislativen Änderung zeigte keinen wesentlichen Einfluss der neuen Gesetzgebung auf die Schwangerschaftsraten in frischen Zyklen. Man befürchtete jedoch eine Reduzierung der kumulativen Schwangerschaftsrate durch das Verbot der Kryokonservierung.
Die Studie von La Sala berichtet nun über die Ergebnisse eines Zentrums. Die Beobachtungszeit beträgt jeweils zwei Jahre vor und zwei Jahre nach Einführung des Gesetzes. Die Schwangerschaftsrate pro Embryotransfer hatte sich erstaunlicherweise nach der Gesetzgebung verbessert (19,8% vor vs 26,7% nach der Einführung des Gesetzes).
Kommentar von Ferticonsult: Frei nach Heraklit könnte man sagen: „Die Notlage ist der Vater aller Dinge“. So räumen die Autoren auch freimütig ein, dass sie nun besser arbeiten. Sie haben die Medien gewechselt und betreiben nun eine bessere Auswahl der Eizellen, denn dies ist die einzige Phase, in der nach der neuen Gesetzgebung in Italien eine Selektion erfolgen kann.
Diese Studie ist im Grunde genommen nichts wert. Sie zeigt lediglich, dass diese Arbeitsgruppe vor der Gesetzgebung eine lausige Reproduktionsmedizin betrieben hat. Eine Schwangerschaftsrate von nur 19,8% (2002 bis 2004) in einer Zeit, in der es möglich war, den oder die besten Embryonen zu selektieren, ist geradezu grotesk.
Das deutsche Embryonenschutzgesetz hat seit langem die deutschen Kinderwunschzentren gezwungen, in jeder einzelnen Phase des Behandlungszyklus durch Verfeinerungen optimale Zwischenresultate zu erzielen:
- Ovarielle Stimulation
- Eizellgewinnung
- Beurteilung der Qualität der Eizellen
- Beurteilung der Qualität der Eizellen im Vorkern-(PN-)Stadium
- Beurteilung der Qualität der Embryonen
- Technik des Embryotransfers
Im Kinderwunschzentrum Darmstadt gibt es die folgenden, die Ergebnisse verbessernden Besonderheiten:
- Polaraid (Polarisationsmikroskopie der Eizellen; kreisrunde Eizellen mit allseits intakter Zona pellucida) zusätzlich zur sorgfältigen mikroskopischen Analyse der einzelnen Eizellen.
- Sorgfältiges PN-Scoring.
- Blastozystenkultur (5-Tage-Kultur). Wenn diese Kultur über fünf Tage routinemäßig beherrscht wird, dann sind die Kulturbedingungen optimal.
- High-Power-Spermiogram und IMSI. Bei Kryptozoospermie und schwerer Asthenozoospermie (WHO A <5%) wird eine Analyse der Spermienköpfe mit einer 6000- fachen Vergrößerung vorgenommen. Zeigt sich ein hoher Prozentsatz vakuolisierter Spermien, so wird der ICSI-Vorgang unter 6000-facher Vergrößerung mit mikroskopisch selektionierten Spermien durchgeführt (IMSI). Dadurch wird erreicht, dass keine vakuolisierten sondern intakte Spermien in die Eizelle injiziert werden.
Prof. Dr. G. Leyendecker
Literatur
Ragni G, Allegra A, Anserini P, Causio F, Ferraretti AP, Greco E, Palermo R, Somigliana E. The 2004 Italian legislation regulating assisted reproduction technology: a multicentre survey on the results of IVF cycles.
Hum Reprod. 2005 Aug;20(8):2224-8. Epub 2005 Apr 7
La Sala GB, Villani MT, Nicoli A, Valli B, Iannotti F, Blickstein I.
The effect of legislation on outcomes of assisted reproduction technology: lessons from the 2004 Italian law.
Fertil Steril. 2008 Apr;89(4):854-9.