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15.01.2000
 
Newsletter Nr. 1
 
1. Die Gebärmutter ist ein "hochintelligentes" Organ.
2. Bei der Endometriose ist der Samentransport durch die Gebärmutter gestört und dies ist eine der wesentlichen Ursachen für den unerfüllten Kinderwunsch bei Endometriose.
3. Kennen Sie eigentlich den optimalen Zeitpunkt zum Schwangerwerden während Ihres Zyklus?
4. Wie häufig sind eigentlich frühe Fehlgeburten normalerweise?

1. Die Gebärmutter ist ein "hochintelligentes" Organ. Neben vielen Funktionen hat sie die einer peristaltischen Pumpe. Sie ist es, die die Samenfäden an den richtigen Ort bringt. Auch die besten Samenfäden würden das selber gar nicht schaffen.

Kunz und Mitarbeiter aus der Arbeitsgruppe von Professor Leyendecker am Klinikum Darmstadt haben neulich zeigen können, daß nicht der Samenfaden mit seiner Eigenbeweglichkeit den relativ weiten weg vom äußeren Muttermund durch die Gebärmutter bis in den Eileiter von selbst schafft, sondern der Samentransport eine eigene Leistung der Gebärmutter darstellt. Da diese Transportfunktion gestört sein kann und daraus Unfruchtbarkeit resultiert, läßt sich folgern, daß der aktive Spermientransport durch die Gebärmutter eine fundamentale Funktion im Fortpflanzungsprozeß darstellt. In ihren Untersuchungen haben die Forscher radioaktiv markierte Eiweißkügelchen in der Größe von Spermien (sog. Makrosphären) unmittelbar vor den Muttermund gelegt und deren Wanderung durch die Gebärmutter mit Hilfe einer speziellen Kamera, die Radioaktivität mißt, verfolgt. Diesen Untersuchungen zufolge transportiert die Gebärmutter binnen einer Minute nach dem Samenerguß die Samenfäden durch den Gebärmutterhalskanal, die Gebärmutterhöhle in den Eileiter, auf dessen Seite der Eisprung stattfinden wird. Dieser gezielte Spermientransport in den Eileiter, welcher beim Eisprung das Ei aufnimmt, erfolgt durch eine spezielles Organ innerhalb der Gebärmutter, die Archimetra (siehe Glossar), welches durch den Eierstock in seiner Funktion gesteuert wird. Genauere Informationen können Sie bei www.Ferticonsult.de in dem Artikel "Endometriose" erhalten.

Konsequenz für das praktische Leben: Eine Vaginaldusche zur Verhütung nach dem Verkehr können Sie sich sparen - viele Samenfäden sind durch die Archimetra längst in die Gebärmutter und den Eileiter hochgesaugt worden.

Literatur

Kunz, G., Beil, D., Deininger, H., Wildt, L., Leyendecker, G. (1996) The dynamics of rapid sperm transport through the female genital tract: evidence from vaginal sonography of uterine peristalsis and hysterosalpingoscintigraphy. Hum. Reprod. 11: 627-632 Kunz, G., Beil, D.,Deininger, H., Einspanier, A., Mall, G., Leyendecker, G. (1997) The uterine peristaltic pump - normal and impeded sperm transport within the female genital tract. Advances in Exp. Med. Biol. 424:267-277 Kunz G.1), Herbertz, M.2), Noe, M.1), Leyendecker, G (1998). Sonographic evidence for the involvement of the utero-ovarian counter current system in the ovarian control of directed uterine sperm transport. Hum. Reprod. Update 4: 667-672 Kunz G, Noe M, Herbertz M., Leyendecker, G. (1998) Uterine peristalsis during the follicular phase of the menstrual cycle. Effects of oestrogen, antioestrogen and oxytocin. Hum. Reprod. Update 4: 647-654 Noe, M., Kunz, G., Herbertz, M., Mall G., Leyendecker, G.(1999) The cyclic pattern of the immunocytochemical expression of oestrogen and progesterone receptors in human myometrial and endometrial layers: Characterisation of the endometrial-subendometrial unit. Hum. Reprod. 14: 101-110 Leyendecker G, Kunz G, Noe M, Herbertz M, Beil, D, Huppert P, Mall G. (1999) Die Archimetra als neues morphologisch-funktionelles Konzept des Uterus sowie als Ort der Primärerkrankung bei Endometriose. Reproduktionsmedizin 15: 356-371

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2. Bei der Endometriose ist der Samentransport durch die Gebärmutter gestört und dies ist eine der wesentlichen Ursachen für den unerfüllten Kinderwunsch bei Endometriose.

Viele Frauen mit einer Endometriose leiden an eingeschränkter Fruchtbarkeit. Bei einer Endometriose handelt es sich um das Wachstum von Schleimhaut der Gebärmutter außerhalb der Gebärmutterhöhle, z.B. auf dem Bauchfell, auf und in den Eistöcken, an der Harnblase und am Darm. Die Endometriose führt zu Schmerzen und auch zu Verklebungen des Eileiters, so daß durch letzteres die Funktion des Eiauffangs durch den Eileiter gestört sein kann und Unfruchtbarkeit die Folge ist. Aber auch Frauen mit Minimalendometriose (mit nur wenigen Endometrioseherden auf dem Bauchfell) ohne Verklebung und somit ohne Einschränkung der Funktion des Eileiters haben Schwierigkeiten schwanger zu werden. Hull und Mitarbeiter und Adamson und Pasta sowie Goordts konnten vor einiger Zeit zeigen, daß eine Behandlung solcher Endometrioseherde mit Hormonen oder auch operativ durch Verschorfung nicht zu einer Verbesserung der Fruchtbarkeit führt. Die Sterilität bei Minimalendometriose blieb ein Rätsel. Neulich konnten Leyendecker und Mitarbeiter zeigen, daß bei Frauen mit Endometriose, unabhängig vom Schweregrad der Endometriose der Samentransport durch die Gebärmutter zum Eileiter gestört ist. Die Samenfäden gelangen gar nicht zum Ort ihrer Bestimmung, so daß eine Befruchtung der Eizelle nicht stattfinden kann. Weiterführende Untersuchungen derselben Arbeitsgruppe haben nachweisen können, daß bei der Endometriose in der Gebärmutter Wucherungen von Schleimhaut in die darunterliegende Muskulatur stattfinden und die für den Samentransport zuständige Muskelschicht zerstören. Gleichzeitig kommt es zu einer vermehrten Besiedlung der Gebärmutterschleimhaut mit Fresszellen (Makrophagen), die die nicht in die Eileiter transportierten Samenfäden abtöten.

Genauere Informationen können Sie bei www.Ferticonsult.de in dem Artikel "Endometriose" erhalten.

Konsequenz für das praktische Leben: Eine Hormontherapie bei Minimalendometriose ist sinnlos und überdies ein Zeitverlust, wenn sie das Ziel verfolgt, die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft zu erhöhen.

Literatur

Adamson, G.D., Pasta, D.J. (1994) Surgical treatment of endometriosis-associated infertility: Meta analysis compared with survival analysis. Am J Obstet Gynaecol 171: 1488-1505 Hull ME, Moghissi KS, Magyar DF, Hayes MF (1986) Comparison of different treatment modalities of endometriosis in infertile women. Fertil. Steril. 47:40 Gordts S (1989) Steriltätstherapie bei Endometriose. Gynäkologe 22:315 Leyendecker, G., Kunz, G., Wildt, L., Beil, D., Deininger, H. (1996) Uterine hyperperistalsis and dysperistalsis as dysfunctions of the mechanism of rapid sperm transport in patients with endometriosis and infertility.Hum. Reprod. 11, 1542-1551 Leyendecker G, Kunz, G, Noe, M, Herbertz, M, Mall G (1998) Endometriosis: A dysfunction and disease of the archimetra. Hum. Reprod. Update, 752-762 Leyendecker G, Kunz G, Noe M, Herbertz M, Beil, D, Huppert P, Mall G. (1999) Die Archimetra als neues morphologisch-funktionelles Konzept des Uterus sowie als Ort der Primärerkrankung bei Endometriose. Reproduktionsmedizin 15: 356-371 Kunz G, Beil D, Huppert P, Leyendecker G (2000) Structural abnormalities of the uterine wall in women with endometriosis and infertility visualised by vaginal sonography and magnetic resonance imaging. Hum. Reprod. 15,76-82 Leyendecker G (2000) Endometriosis is an entity with extreme pleiomorphism. Hum Reprod. 15,4-7 Leiva MC, Hasty LA, Lyttle CR (1994) Inflammatory changes of the endometrium in patients with minimal-to-moderate endometriosis. Fertil. Steril. 62:967-972

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3. Kennen Sie eigentlich den optimalen Zeitpunkt zum Schwangerwerden während Ihres Zyklus?

Viele Paare mit Kinderwunsch "timen" ihren Verkehr aus den verschiedenen Gründen. Beide sind voll in ihrem Job oder leben räumlich von einander getrennt. Nicht selten düst sie oder er von Berlin nach Frankfurt, um nur ja den optimalen Zeitpunkt nicht zu verpassen. Welch ein Stress!! Wie schön wäre es, wenn man hier etwas relaxter sein könnte. Zum Schwangerwerden muß ein lebendiger und lebhafter Samenfaden auf eine frische Eizelle stoßen, ihre Membran durchdringen und sein genetisches Material in die Eizelle einbringen. Bisher wurde gesagt, daß ein Samenfaden über etwa 96 Stunden (= 4 Tage) befruchtungsfähig und eine Eizelle nach dem Eisprung über die Dauer von rund neun Stunden befruchtbar bleiben. Diese Daten konnten nun auf ebenso einfache wie beeindruckende Weise untermauert und erweitert werden. Mehrere hundert Frauen mit nachgewiesener Fruchtbarkeit und mit weiterem Kinderwunsch haben während des Zyklus täglich Urin gesammelt und den Tag des ungeschützten Verkehrs schriftlich festgehalten. Nach Hormonuntersuchungen des Urins, mit denen der Zeitpunkt des Eisprungs und das Eintreten oder Ausbleiben einer Schwangerschaft festgestellt werden konnten, ließ sich bestimmen, bei welchem zeitlichen Abstand des letzten Verkehrs zum Eisprung eine Schwangerschaft überhaupt eintrat. Folgende Ergebnisse wurden erzielt: Schwangerschaften treten nur dann ein, wenn Verkehr innerhalb von fünf Tagen vor dem Eisprung und am Tage des Eisprungs stattfindet. Wenn der letzte Verkehr 6 Tage vor oder der Verkehr erst am Tag nach dem Eisprung stattfindet, dann besteht keine Aussicht auf Schwangerschaft. Die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft bei Verkehr am Tage des Eisprungs liegt bei etwa 35%. Auch bei letztem Verkehr ein und zwei Tage vor dem Eisprung liegt die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft auf dieser Höhe. Liegt der letzte Verkehr drei, vier und fünf Tage zurück, dann fällt die Warscheinlichkeit deutlich ab und liegt am 5. Tag vor dem Eisprung nur noch bei 9%. Beruhigend ist der Tatbestand, daß bei letztem Verkehr bis zu 48 Stunden (also 2 Tage) vor dem Eisprung kein Abfall der Schwangerschaftswahrscheinlichkeit eintritt.

Konsequenz für das praktische Leben: Wenn Sie den Tag Ihres Eisprunges kennen, dann haben Sie eine Spanne optimaler Konzeptionswahrscheinlichkeit ("Conception window") von 72 Stunden, die am Tag des Eisprungs endet. Das reduziert den Stress doch erheblich. Wenn Sie bei einem regelmäßigen Zyklus mit Eisprung um den 13.-14. Tag nach Beginn der Regel ab dem 10. bis zum 14. oder 11. bis 15. Tag alle zwei Tage, also dreimal Verkehr haben, dann verpassen Sie keine Chance. Voraussetzung ist natürlich, daß der Samen und sonst alles okay ist.

Nebenbei: Egal an welchem Tag in Bezug zum Eisprung der letzte bzw. erst Verkehr stattfand: die Rate von Knaben- und Mädchengeburten blieb immer gleich. Damit ist die Vorstellung, daß man bei Verkehr unmittelbar vor dem Eisprung mit größerer Wahrscheinlichkeit einen Knaben zeugt, endgültig ins Reich der Fabel verwiesen.

Literatur

Wilcox A J, Weinberg C R, Baird D D (1995) Timing of sexual intercourse in relation to ovulation - effects on the probability of conception, survival of the pregnancy, and sex of the baby. N Engl J Med 333: 1517-1521

4. Wie häufig sind eigentlich frühe Fehlgeburten normalerweise?

Fehlgeburten sind in den meisten Fällen ein Schock für die betroffene Frau oder das Paar. Nach der Freude über den Eintritt einer Schwangerschaft folgt nicht selten die Besorgnis bei Auftreten einer stärkeren Blutung und die bittere Enttäuschung, wenn die Fehlgeburt eintritt oder der Arzt Hinweise auf Fehlentwicklungen der Fruchtanlage findet, die in eine Fehlgeburt münden. Es entsteht dann die bange Frage, ist die Fehlgeburt bei uns ein Ereignis, welches grundsätzlich einmal eintreten kann oder besteht bei uns ein prinzipieller Fehler, der immer wieder zur Fehlgeburt führt oder führen kann. In der Tat gibt es Störungen, die die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt erhöhen. Diese müssen erkannt oder ausgeschlossen werden. Hier interessiert uns, wie häufig eine Fehlgeburt bei einem komplett gesunden Paar auftritt. Sie sind erstaunlich häufig und für die weiteren Schwangerschaften ohne Konsequenz, was sicherlich beruhigend für Paare ist, die eine solche Fehlgeburt erfahren haben. Wilcox und Mitarbeiter haben bei mehreren hundert gesunden Frauen mit Kinderwunsch über mehrere Zyklen (ingesamt 707 Zyklen) hinweg täglich den Urin gesammelt und durch Hormonmessungen in den Urinproben den Eisprung und den Anstieg und weiteren Verlauf des Schwangerschaftshormons (HCG) bestimmt. Außerdem wurde das Eintreten, die Dauer und Schwere von Monatsblutungen protokolliert. Es traten 198 Schwangerschaften, wovon insgesamt 59 (=31%) als Fehlgeburten endeten. In 43 Fällen traten die Fehlgeburten ein, bevor die jeweiligen Schwangerschaften klinisch (Ultraschall) diagnostiziert wurden (Frühstabort). Häufig wußten die Frau gar nicht, daß eine Schwangerschaft bestanden hatte. Das einzige, was die Frauen bemerkten, war das etwas spätere Eintreten der Regelblutung, die dann meist auch stärker war. Nur die später festgestellten vorübergehend positiven HCG-Werte im Urin wiesen auf eine kurzzeitige Schwangerschaft hin. Bei 9% der Frauen trat die Fehlgeburt, nachdem die Schwangerschaft bereits klinisch festgestellt war. 95 % der Frauen mit einem Frühstabort wurden während der nächsten zwei Jahr erneut schwanger ohne weitere Komplikationen. Ein großer Teil der Fehlgeburten beruht sicherlich darauf, daß etwa 50% aller Eizellen genetisch gestört sind. Diese Resultate wurden bei Frauen gewonnen, deren Eierstöcke medikamentös stimuliert wurden. Vieles spricht jedoch dafür, daß dies auch für Eizellen in einem natürlichen Zyklus zutrifft. Von der Befruchtung bis zur intakten Schwangerschaft sind viele Hürden zu überwinden. Aus der In-vitro-Fertilisation ist bekannt, daß ein großer Teil befruchteter Eizellen sich nicht zu Embryonen entwickeln, die sich erfolgreich in die Gebärmutterschleimhaut einnisten können. Dies nimmt mit dem Alter der Frau deutlich zu. Hierbei geht das Ei vor der Einnistung zu Grunde. In einigen Fällen gelingt gerade noch eine Einnistung, aber sie erfolgt später als üblich. Je später nach dem Eisprung erstmalig des Schwangerschaftshormon in Blut und Urin ansteigt, was auf eine verspätete Einnistung oder Entwicklungsverzögerung des Embryos bereits vor der Einnistung hinweist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß die Schwangerschaft als Fehlgeburt endet. Konsequenz für das praktische Leben: Eine ein- oder zweimalige Fehlgeburt ist nicht außergewöhnlich. Hinter häufigeren Fehlgeburten kann sich allerdings ein Problem verbergen, welches frühzeitig erkannt werden sollte.

Literatur

WrambsbyH, Fredga K, Liedholm P (1987) Chromosome analysis of human oocytes recovered from preovulatory follicles in stimulated cycles, N Engl J Med 316:121-124 Wilcox AJ (1988) Incidence of early loss of pregnancy. 319: 189-194 Wilcox A J, Baird D D, Weinberg C R (1999) Time of implantation of the conceptus and loss of pregnancy. N Engl J Med 340: 1796

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Gerhard Leyendecker